Schmallenberg als Ausstellungsraum

Ulrike Kessl, Sylvie Hauptvogel und Marie Paysant Le-Roux sprechen über ihre Erfahrungen

Am 10. Mai fand in der Orangerie ein Künstlergespräch statt, bei der die Künstlerinnen Ulrike Kessl, Sylvie Hauptvogel und Marie Paysant Le-Roux über ihre Entwicklungen, Erfahrungen und Gedanken bezüglich ihrer ausgestellten Kunstwerke bei der „Textile“ sprachen.

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Künstlergepräch, Foto: Werner Harnischmacher

Für die „Textile“ sind alle drei Künstlerinnen bereits im Vorfeld nach Schmallenberg gefahren, um die Außenräume zu besichtigen und neue Ideen zu entwickeln. Marie Paysant Le-Roux informierte sich schon vor ihrem Besuch bei Google-Maps und entdeckte den besonderen Straßenverlauf Schmallenbergs: Die fast parallel verlaufenden zwei Hauptstraßen, die Ost- und Weststraße sind wie Holme und die Nebenstraßen dazwischen wie ihre Sprossen. Schmallenberg ist eine Leiter aus verschiedenen Farben und Facetten. So entwickelte Marie Paysant Le-Roux die Idee eine echte Leiter mit unterschiedlichen Farbstreifen zu bespannen, um Schmallenbergs Farben und dessen Form darzustellen.

Sylvie Hauptvogel wurde vom Lennepark inspiriert. Während ihres Besuches stellte sie fest, dass dieser der geeignete Ort für ihre „Schürzen“ wäre. Schon im Vorfeld hatte sie echte, traditionelle, aus Familien stammende Schürzen eingesammelt und verhärtet, damit diese im Außenraum standhaft blieben. So erinnert ihre Installation an vergangene Zeiten, als Frauen häufiger Schürzen trugen als heute. Es sind nun leere Hüllen ohne Körper, die im Lennepark zwischen Bäumen, Wiesen und Wasser zur Ruhe kommen.

Ulrike Kessl arbeitet seit eineinhalb Jahren mit Nylon-Strumpfhosen und entwickelt ihr Werk je nach Ort und Beschaffenheit. So hat auch sie einen geeigneten Ort für ihre Strumpfhoseninstallation am Schützenplatz gefunden. In kürzester Zeit hat sie ein rotes gesponnenes Kunstwerk erschaffen, das durch seine Materialbeschaffenheit sehr gut für den Außenraum geeignet ist. Wind, Nässe und andere natürliche Faktoren muss man während der Planung und Installation mit einkalkulieren. Selbst der Mensch kann zu einer Bedrohung werden. So versuchen alle Künstlerinnen ihre Kunstwerke „wetterfest“ zu gestalten. Trotzdem besteht immer das Risiko der Zerstörung.

Wichtig für alle ist, dass ihre Kunstwerke Aufmerksamkeit erregen und selbst Leute ohne Kunstaffinität zum Denken anregen. Marie Paysant-Le Roux zeigt beispielsweise den langen Prozess der Aufbereitung und Färbung eines Stoffes, der heutzutage immer mehr ins Vergessen gerät. Ebenso sieht man an Werken von Ulrike Kessl und Sylvie Hauptvogel was sich alles mit dem Material Stoff machen lässt und welche Techniken verwendet werden können, um Strumpfhosen sowie Schürzen auf unterschiedliche Weisen zu präsentieren und ins Bewusstsein zu rücken. So zeigte sich im Gespräch, dass das Arbeiten im Außenraum etwas Besonderes ist und man sich als Künstlerin in unterschiedlichen Bereichen bewegt. Man kann sowohl eine textile Künstlerin in der bildenden Kunst als auch eine Textilkünstlerin an sich sein. Die Grenzen verschwimmen zwischen beiden.

Zudem haben alle Teilnehmerinnen der Gesprächsrunde neben dem Stoff bereits mit anderen Materialen gearbeitet und experimentiert. Doch Stoff ist in seiner Struktur und in seinen Möglichkeiten einzigartig, weshalb dieser von allen gerne verwendet wird. Stoffe erzählen eine Geschichte und erwecken verschiedene Assoziationen, so sagte es Ulrike Kessl. Genauso Sylvie Hauptvogel, die mit Damenhöschen intime Erinnerungen weckt. So wird uns allen die Möglichkeit geboten an diesen textilen Geschichten teilzuhaben. Wir werden daran erinnert, wie präsent das textile Material in unserem Leben ist und welche Möglichkeiten es uns noch weiter bietet.

Weitere Werke von allen drei Künstlerinnen befinden sich auch im Innenbereich. Im kunsthaus alte mühle finden Sie Kunst von Sylvie Hauptvogel und eine weitere Strumpfhosenbespannung von Ulrike Kessl. In der Valentinschule sehen Sie eine Extraktion der Schmallenberger Farben von Marie Paysant-Le Roux, die in dieser Woche zum ersten Mal zu sehen ist.

Wir danken allen Beteiligten für diese lebendige Gesprächsrunde.

Nina Kownacki vom Festivalteam

 

 

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